GEO & KI-Suche

llms.txt: Brauchst du das wirklich?

llms.txt ist eine vorgeschlagene Textdatei, die KI-Systemen die Inhalte einer Website beschreiben soll. Nach Server-Log-Daten von Ahrefs aus 137.000 Domains erhielten 97 Prozent dieser Dateien im Mai 2026 keinen einzigen Zugriff. Google stellt klar, dass llms.txt für die Suche nicht erforderlich ist und Rankings nicht beeinflusst.

Das Wichtigste in Kürze

  • 97 Prozent der llms.txt-Dateien wurden im Mai 2026 nicht ein einziges Mal abgerufen.
  • Von den Zugriffen kamen 21,7 Prozent von SEO-Werkzeugen, nur 1,1 Prozent von KI-Crawlern.
  • Google: nicht erforderlich, keine positive oder negative Wirkung auf Rankings.
  • Eine veraltete llms.txt ist schlechter als gar keine – sie liefert falsche Angaben aufbereitet.

Die Idee dahinter

llms.txt ist ein Vorschlag aus dem Jahr 2024: eine Textdatei im Wurzelverzeichnis einer Website, die KI-Systemen in aufbereiteter Form mitteilt, welche Inhalte es gibt und wo die wichtigen stehen – im Prinzip eine Sitemap für Sprachmodelle.

Die Idee ist nachvollziehbar. Die Frage ist nur, ob irgendjemand die Datei liest.

Die Antwort, gemessen

Dazu gibt es inzwischen Zahlen statt Vermutungen.

Verbreitung: Originality.ai verfolgt den Bestand über mehr als drei Millionen Websites. Im Juni 2025 waren es 4.088 Dateien, im Mai 2026 bereits 36.120 – eine Verachtfachung.

Nutzung: Ahrefs hat dafür Server-Protokolle von 137.000 Domains ausgewertet. Ergebnis für Mai 2026:

Wer ruft llms.txt ab?Anteil der Zugriffe
SEO-Analysewerkzeuge21,7 %
KI-Crawler1,1 %
97 % aller llms.txt-Dateien erhielten im Mai 2026 überhaupt keinen Zugriff.

Die Datei wird also vor allem von den Werkzeugen abgerufen, die prüfen, ob sie existiert. Das ist ein bemerkenswert geschlossener Kreislauf.

Was die Anbieter selbst sagen

Google hat sich am 15. Juni 2026 festgelegt: llms.txt sei für die Google-Suche nicht erforderlich und habe weder positive noch negative Auswirkungen auf Rankings.

Bereits im Juni 2025 hatte John Müller von Google öffentlich festgehalten, dass kein KI-System die Datei derzeit verwende.

Dazu passt Googles Aussage in der Dokumentation zu den KI-Funktionen der Suche: Es brauche keine neuen maschinenlesbaren Dateien und keine KI-Textdateien, um in AI Overviews oder im AI Mode zu erscheinen. Mehr dazu unter AI Overviews.

Von OpenAI, Anthropic oder Perplexity gibt es keine Dokumentation, die llms.txt als unterstütztes Format nennt – wohl aber ausführliche Angaben zu ihren Crawlern, die ganz normal HTML lesen. Siehe robots.txt für KI-Crawler.

Soll ich sie trotzdem anlegen?

Eine faire Abwägung:

DafürDagegen
Kostet 15 MinutenKeine nachgewiesene Wirkung
Schadet nachweislich nichtMuss gepflegt werden, sonst wird sie falsch
Könnte künftig relevant werdenBindet Aufmerksamkeit, die anderswo mehr bringt
Zwingt zu einer ThemenübersichtWird als Alibi für echte Arbeit benutzt

Die ehrliche Empfehlung: Anlegen ist vertretbar, priorisieren nicht. Wenn die Datei in einer Viertelstunde steht und in der Jahrespflege mitläuft, spricht nichts dagegen. Wenn sie auf der Maßnahmenliste über Antwortblöcken, Quellenangaben und interner Verlinkung steht, ist die Reihenfolge falsch.

Der letzte Punkt in der rechten Spalte ist der, den man in der Praxis am häufigsten sieht: Die Datei wird angelegt, in der Präsentation als „KI-Optimierung“ verbucht, und die Inhalte bleiben, wie sie waren.

Eine veraltete Datei ist schlechter als keine

Der Fall, der tatsächlich schaden kann: Die llms.txt verweist auf Seiten, die es nicht mehr gibt, nennt Leistungen, die eingestellt wurden, oder beschreibt das Unternehmen mit Formulierungen von vor zwei Jahren.

Sollte ein System sie doch einmal lesen, bekommt es damit veraltete Angaben in besonders gut aufbereiteter Form. Wer die Datei anlegt, übernimmt eine Pflegepflicht.

Was stattdessen nachweislich wirkt

Die Maßnahmen, für die es Belege gibt, sind unspektakulärer:

  1. Antwortblöcke. 40 bis 60 Wörter direkt unter jeder Hauptüberschrift, die die Frage vollständig beantworten. Genau diese Passagen werden übernommen.
  2. Belegte Zahlen. Mit Quelle und Datum im sichtbaren Text, nicht im Quelltext.
  3. Die richtigen Crawler zulassen. Wer OAI-SearchBot oder Claude-SearchBot sperrt, ist aus diesen Systemen draußen – unabhängig von jeder Datei.
  4. Konsistente Angaben über alle Kanäle. Website, Verzeichnisse, Profile. Widersprüche erzeugen unscharfe Antworten.
  5. Saubere Technik. Was nicht crawlbar ist, wird auch nicht zitiert. Siehe Indexierung.

Keiner dieser Punkte ist neu oder aufregend. Alle fünf haben mehr Wirkung als jede Textdatei im Wurzelverzeichnis.

Wie sich das ändern könnte

Zur Fairness: Ein Format ohne Nutzung heute ist kein Format ohne Zukunft. Sollte ein großer Anbieter llms.txt offiziell unterstützen, ändert sich die Bewertung sofort.

Das ist allerdings kein Grund, heute Budget dafür einzuplanen – sondern ein Grund, das Thema einmal im Jahr neu anzusehen. Die Datei lässt sich an dem Tag anlegen, an dem sie relevant wird.

Fazit

llms.txt ist ein vernünftiger Vorschlag ohne nennenswerte Verbreitung auf der Abrufseite: 97 Prozent der Dateien wurden im Mai 2026 kein einziges Mal abgerufen, und die Zugriffe, die es gab, kamen überwiegend von Prüfwerkzeugen.

Google sagt ausdrücklich, dass die Datei für die Suche nicht nötig ist und Rankings nicht beeinflusst. Anlegen schadet nicht. Sie für eine KI-Strategie zu halten, schon – weil sie dann die Arbeit ersetzt, die tatsächlich wirkt.

Häufige Fragen

Eine 2024 vorgeschlagene Textdatei im Wurzelverzeichnis einer Website, die KI-Systemen in aufbereiteter Form mitteilen soll, welche Inhalte es gibt und welche davon wichtig sind – im Prinzip eine Sitemap für Sprachmodelle.

Nach den vorliegenden Daten praktisch nicht. Google hat im Juni 2026 erklärt, die Datei sei für die Suche nicht erforderlich und ohne Wirkung auf Rankings. OpenAI, Anthropic und Perplexity führen sie in ihren Crawler-Dokumentationen nicht als unterstütztes Format.

Vertretbar, aber nicht vorrangig. Wenn sie in einer Viertelstunde steht und mitgepflegt wird, spricht nichts dagegen. Sie sollte nur nicht vor Antwortblöcken, belegten Zahlen und korrekt eingestellten Crawler-Regeln stehen.

Indirekt ja. Eine veraltete Datei liefert falsche Angaben in besonders gut lesbarer Form, falls ein System sie doch auswertet. Und sie wird häufig als Beleg für KI-Optimierung verbucht, während die Inhalte unverändert bleiben.

Quellen

  1. Ahrefs / PPC Land: llms.txt adoption rises 8.8x but 97% of files get zero AI requests (abgerufen am 23.09.2026)
  2. Google Search Central: Top ways to ensure your content performs well in Google's AI experiences (abgerufen am 23.09.2026)

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