Brauchbare Prompts im SEO spielen auf die Stärken von Sprachmodellen: Sortieren, Strukturieren und Umformulieren von Material, das der Mensch mitbringt. Sie geben eigenes Material mit, legen das Ausgabeformat fest, verbieten ausdrücklich das Hinzuerfinden und fordern ein, Lücken sichtbar zu markieren.
Prompts, die im SEO-Alltag tatsächlich taugen
Das Wichtigste in Kürze
- Recherche zuerst, Gliederung danach – umgekehrt muss der Text die Struktur mit Erfundenem füllen.
- Der nützlichste Prompt lässt das Modell bewusst nicht prüfen, sondern nur die Prüfliste erstellen.
- Kürzen gelingt Modellen besser als Schreiben – und ist der Schritt, den fast niemand macht.
- Ohne ausdrückliches Verbot füllen Modelle Lücken stillschweigend auf.
Warum die meisten Prompts nichts taugen
Der verbreitete Prompt lautet sinngemäß: „Schreibe mir einen SEO-optimierten Artikel über X.“ Das Ergebnis ist vorhersehbar – flüssig, strukturiert, austauschbar und mit Zahlen, die niemand geprüft hat.
Das liegt nicht am Modell, sondern an der Aufgabe. Ein Sprachmodell ist stark beim Sortieren, Strukturieren und Umformulieren großer Mengen. Es ist schwach überall dort, wo Fakten, Urteil oder Verantwortung im Spiel sind.
Brauchbare Prompts spielen deshalb auf die Stärken. Die folgenden sind aus der täglichen Arbeit, nicht aus einer Sammlung.
1. Keyword-Listen clustern
Die Aufgabe, bei der der Zeitgewinn am größten ist. Eine Exportdatei mit dreitausend Begriffen ist von Hand kaum zu strukturieren.
Hier ist eine Liste von Suchbegriffen aus einem Keyword-Werkzeug. Gruppiere sie nach Themen und innerhalb der Themen nach Suchintention (informativ, vergleichend, transaktional, navigational). Gib die Gruppen als Tabelle aus: Thema, Suchintention, zugehörige Begriffe, Vorschlag für den Seitentyp. Erfinde keine Begriffe hinzu und lasse keinen aus. Wenn ein Begriff nicht eindeutig zuzuordnen ist, setze ihn in eine Gruppe „unklar“.
Die letzten beiden Sätze sind entscheidend. Ohne sie werden Begriffe stillschweigend ergänzt oder weggelassen, und beides fällt in einer langen Liste nicht auf.
2. Inhaltslücken finden
Ich füge dir meinen Artikel und die drei Seiten ein, die für den Begriff X aktuell oben stehen. Liste ausschließlich Teilfragen auf, die in den drei Seiten behandelt werden und in meinem Artikel fehlen. Bewerte nicht die Qualität und schlage keine Formulierungen vor. Gib zu jeder Lücke an, in welcher der drei Seiten sie vorkommt.
Die Einschränkung „bewerte nicht“ verhindert das übliche Lob und hält die Antwort brauchbar. Die Quellenangabe macht die Aussage nachprüfbar.
3. Gliederung entwerfen
Ich habe zu folgendem Thema recherchiert: [Stichpunkte mit Zahlen und Quellen]. Entwirf daraus eine Gliederung mit H2- und H3-Überschriften. Die Überschriften sollen Fragen aufgreifen, wie Menschen sie tatsächlich stellen würden. Nutze ausschließlich meine Stichpunkte, ergänze keine Inhalte. Markiere Stellen, an denen aus deiner Sicht eine Information fehlt, mit [LÜCKE].
Der Schlüssel liegt in der Reihenfolge: Recherche zuerst, Gliederung danach. Wer die Gliederung vor der Recherche erzeugt, bekommt eine Struktur, die der Text anschließend mit Erfundenem füllen muss.
4. Meta-Angaben in Serie
Schreibe für jede der folgenden Seiten einen Title und eine Meta-Description. Title: Hauptthema zuerst, kein Firmenname am Anfang, rund 55 bis 60 Zeichen. Description: rund 150 bis 160 Zeichen, nennt ein konkretes Ergebnis oder räumt einen Einwand aus, keine Aufzählung von Suchbegriffen. Gib eine Tabelle aus: URL, Title, Zeichenzahl, Description, Zeichenzahl. Hier sind URL und jeweils die ersten beiden Absätze: […]
Wiederkehrende Kleinarbeit mit klaren Vorgaben – genau das Feld, auf dem sich der Einsatz lohnt. Mehr zu den Feldern unter Title und Meta-Description.
5. Interne Verlinkung vorschlagen
Hier ist eine Liste meiner bestehenden Seiten mit URL und Titel, und hier mein neuer Artikel. Schlage vor: erstens drei bestehende Seiten, die auf den neuen Artikel verlinken sollten, mit Angabe der passenden Textstelle; zweitens zwei bis vier Stellen im neuen Artikel, die auf bestehende Seiten verweisen sollten. Formuliere je einen beschreibenden Ankertext. Verwende ausschließlich URLs aus meiner Liste.
Der erste Teil ist der wertvollere und wird fast immer vergessen: Verlinkungen auf den neuen Artikel. Siehe Interne Verlinkung.
6. Entwurf kürzen
Kürze diesen Text um etwa ein Drittel. Entferne Füllsätze, Wiederholungen und Ankündigungen dessen, was gleich kommt. Streiche relativierende Einschübe, die keine Information tragen. Behalte alle Zahlen, Quellenangaben und Fachbegriffe unverändert. Ändere keine Aussage. Gib am Ende an, welche Absätze du gestrichen hast.
Kürzen ist die Aufgabe, bei der Modelle besser sind als beim Schreiben – und der Schritt, den fast niemand macht.
7. Faktencheck des eigenen Entwurfs
Liste jede überprüfbare Tatsachenbehauptung aus diesem Text einzeln auf: Zahlen, Daten, Zitate, Namen, rechtliche Aussagen. Gib zu jeder an, ob im Text eine Quelle genannt wird. Bewerte nicht, ob die Aussage stimmt – erstelle nur die Liste. Sortiere nach Reihenfolge im Text.
Das ist der nützlichste Prompt in dieser Sammlung, und er lässt das Modell bewusst nicht prüfen. Er erzeugt die Arbeitsliste, die du selbst an den Primärquellen abarbeitest.
Was nicht funktioniert
| Aufgabe | Warum nicht |
|---|---|
| „Nenne mir Studien zu X“ | Erfundene Quellen sind das größte Risiko |
| „Wie hoch ist das Suchvolumen für Y?“ | Modelle haben keine Suchvolumendaten |
| „Analysiere meine Rankings“ | Ohne Zugriff auf die Search Console nur Vermutung |
| „Schreibe einen SEO-optimierten Artikel“ | Erzeugt austauschbaren Text ohne eigene Erfahrung |
| „Ist das rechtlich zulässig?“ | Keine Rechtsberatung, keine Haftung |
Die vier Bausteine eines brauchbaren Prompts
- Material mitgeben. Eigene Recherche, eigene Daten, eigene Texte. Ein Prompt ohne Material erzeugt Allgemeinplätze.
- Das Ausgabeformat festlegen. Tabelle mit benannten Spalten schlägt Fließtext.
- Verbote aussprechen. „Erfinde nichts hinzu“, „bewerte nicht“, „verwende nur meine Liste“. Modelle füllen Lücken, wenn man es ihnen nicht untersagt.
- Unsicherheit einfordern. „Markiere fehlende Informationen mit [LÜCKE]“ macht sichtbar, was sonst stillschweigend ergänzt würde.
Punkt drei und vier unterscheiden brauchbare von dekorativen Prompts. Alles andere ist Formulierungsgeschmack.
Fazit
Gute Prompts im SEO-Alltag haben wenig mit Formulierungskunst zu tun und viel mit Arbeitsteilung: Recherche und Urteil beim Menschen, Sortieren und Strukturieren beim Modell, und ein klares Verbot, Lücken selbst zu füllen.
Der realistische Zeitgewinn liegt bei 30 bis 40 Prozent gegenüber reiner Handarbeit. Wer mehr verspricht, hat den Prüfschritt gestrichen – und genau der entscheidet darüber, ob am Ende etwas Verwertbares herauskommt.
Häufige Fragen
Nein. Sprachmodelle erzeugen plausibel klingende Studientitel mit real existierenden Instituten und passenden Jahreszahlen zu Untersuchungen, die es nie gegeben hat. Quellen gehören selbst recherchiert und an der Primärquelle geprüft.
Realistisch 30 bis 40 Prozent gegenüber reiner Handarbeit – vorausgesetzt, Recherche und Faktenprüfung bleiben beim Menschen. Wer 90 Prozent verspricht, hat genau diese Schritte gestrichen.
Vier Dinge: eigenes Material mitgeben, das Ausgabeformat festlegen, ausdrücklich verbieten, etwas hinzuzuerfinden, und einfordern, fehlende Informationen sichtbar zu markieren. Formulierungskunst spielt eine geringere Rolle als diese vier Punkte.
Beim Clustern großer Keyword-Listen, beim Finden inhaltlicher Lücken gegenüber rankenden Seiten, bei Meta-Angaben in Serie, bei Vorschlägen zur internen Verlinkung und beim Kürzen eigener Entwürfe.
Quellen
- Google Search Central: Creating helpful, reliable, people-first content (abgerufen am 23.09.2026)
- Google Search Central: Spam policies for Google web search (abgerufen am 23.09.2026)
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