Für die meisten mittelständischen Websites genügen Search Console, PageSpeed Insights und ein kostenloser Crawler. Die Search Console liefert die tatsächlichen Werte von Google, während bezahlte Werkzeuge diese schätzen. Berechtigte Kaufgründe gibt es drei: Wettbewerbsdaten, Backlink-Daten und technische Crawls großer Seitenbestände.
SEO-Tools: Was du wirklich brauchst
Das Wichtigste in Kürze
- Die Search Console liefert echte Google-Daten, bezahlte Werkzeuge hochgerechnete Schätzungen.
- Domain Authority, Domain Rating und Sichtbarkeitsindex sind Anbieter-Erfindungen, keine Google-Größen.
- Die Frage vor jedem Kauf: Welche Entscheidung könnte ich damit treffen, die ich heute nicht treffen kann?
- Kein Werkzeug misst Anfragen – das weiß nur das eigene Formular-Backend.
Die ehrliche Ausgangslage
SEO-Werkzeuge kosten zwischen 100 und 500 Euro im Monat, und die Verkaufsargumente klingen überall gleich. Die unbequeme Wahrheit: Für die meisten mittelständischen Unternehmen reichen die kostenlosen Werkzeuge von Google aus, und zwar für längere Zeit, als Anbieter behaupten.
Das liegt nicht an der Qualität der bezahlten Werkzeuge, sondern an der Reihenfolge. Wer noch nicht ausgeschöpft hat, was die Search Console zeigt, bekommt durch ein zweites Werkzeug keine Erkenntnisse, sondern mehr Zahlen.
Was kostenlos verfügbar ist
| Werkzeug | Wofür | Ersetzt |
|---|---|---|
| Search Console | Echte Klicks, Impressionen, Positionen, Indexierung | Den gesamten Ranking-Teil bezahlter Werkzeuge |
| PageSpeed Insights | Ladezeiten mit konkreten Empfehlungen | Technik-Module |
| Test für Rich-Suchergebnisse | Prüfung strukturierter Daten | Schema-Prüfer |
| Google Trends | Saisonalität und Entwicklung von Begriffen | Trendmodule |
| Keyword-Planer | Suchvolumen (grob, ohne Ads-Budget) | Volumendaten, eingeschränkt |
| Google Business Profile | Aufrufe, Anrufe, Routenanfragen | Local-Module |
Der wichtigste Punkt in dieser Tabelle steht in der ersten Zeile: Die Search Console liefert tatsächliche Werte von Google, keine Hochrechnungen aus einem Messnetz. Bezahlte Werkzeuge schätzen, was die Search Console weiß. Siehe Google Search Console.
Wo kostenlose Werkzeuge an Grenzen stoßen
Drei Dinge können sie nicht, und das sind die berechtigten Kaufgründe:
- Wettbewerbsdaten. Die Search Console zeigt nur dich. Wer wissen will, für welche Begriffe der Wettbewerb rankt und wo die Lücken sind, braucht ein Werkzeug mit eigenem Index.
- Backlink-Daten. Die Search Console zeigt einen Ausschnitt der eigenen Links, aber nicht die des Wettbewerbs und nicht deren Entwicklung.
- Technische Crawls über den ganzen Bestand. Bei 50 Seiten geht das von Hand. Bei 5.000 nicht.
Wer keine dieser drei Fragen hat, zahlt für Funktionen, die er nicht nutzt.
Die Kategorien und wofür sie taugen
Allround-Werkzeuge
Ahrefs, Semrush, Sistrix und vergleichbare decken Rankings, Backlinks, Wettbewerb und Technik in einem ab. Sinnvoll ab dem Punkt, an dem Wettbewerbsanalyse regelmäßig gebraucht wird – also eher bei Agenturen und Unternehmen mit eigener SEO-Stelle als bei einem Handwerksbetrieb.
Ein Hinweis zu den Kennzahlen dieser Werkzeuge: „Domain Authority“, „Domain Rating“ und „Sichtbarkeitsindex“ sind Erfindungen der jeweiligen Anbieter, keine Google-Größen. Sie taugen zum Vergleich über die Zeit, nicht als absoluter Maßstab.
Crawler
Screaming Frog und ähnliche gehen die Website durch wie ein Suchmaschinen-Crawler und melden defekte Links, Weiterleitungsketten, fehlende Titles, Canonical-Fehler. Die kostenlose Version reicht für die meisten Unternehmensseiten. Das ist das Werkzeug mit dem besten Verhältnis von Preis zu Erkenntnis – besonders vor einem Relaunch.
KI-Sichtbarkeits-Werkzeuge
Der jüngste Markt: Dienste, die protokollieren, ob und wie ein Unternehmen in ChatGPT, Gemini oder Perplexity genannt wird. Das Feld ist jung, die Anbieter wechseln, und die Methodik ist selten offengelegt.
Vorerst tut es eine Tabelle mit 20 bis 30 Fragen, die monatlich von Hand gestellt werden. Das kostet eine Stunde und ist nachvollziehbar. Siehe KI-Sichtbarkeit messen.
KI-Assistenten
Sprachmodelle sind stark beim Clustern großer Keyword-Listen, beim Entwerfen von Gliederungen und bei wiederkehrender Kleinarbeit. Sie sind schwach bei allem, wo Zahlen, Quellen oder Urteil im Spiel sind. Siehe KI-Tools im SEO.
Eine Reihenfolge nach Reifegrad
| Wo du stehst | Was du brauchst | Kosten |
|---|---|---|
| Website da, Search Console nicht eingerichtet | Search Console, PageSpeed Insights | 0 € |
| Erste Inhalte, erste Rankings | Zusätzlich ein Crawler | 0 bis 200 € im Jahr |
| Regelmäßige Redaktion | Zusätzlich ein Keyword-Werkzeug | ab ca. 100 € im Monat |
| Wettbewerb wird zum Thema | Ein Allround-Werkzeug | 100 bis 500 € im Monat |
| Mehrere Projekte oder Agentur | Allround plus Crawler plus Monitoring | deutlich höher |
Die Versuchung besteht darin, zwei Stufen zu überspringen. Das Ergebnis ist meist ein Abonnement, das nach drei Monaten nicht mehr geöffnet wird.
Die Frage vor dem Kauf
Ein einfacher Test, der viel Geld spart: Welche konkrete Entscheidung könnte ich mit diesem Werkzeug treffen, die ich heute nicht treffen kann?
Wenn die Antwort „Ich hätte einen besseren Überblick“ lautet, ist es kein Kaufgrund. Wenn sie lautet „Ich wüsste, für welche 30 Begriffe mein Hauptwettbewerber rankt und ich nicht“, ist es einer.
Was kein Werkzeug kann
- Entscheiden, ob ein Thema für dein Geschäft lohnt. Suchvolumen ist keine Kaufabsicht.
- Beurteilen, ob ein Text gut ist. Lesbarkeitswerte messen Satzlängen, nicht Substanz.
- Sagen, warum eine Seite nicht rankt. Werkzeuge zeigen Symptome; die Ursache steht meist im Text.
- Anfragen messen. Das weiß nur dein Formular-Backend. Siehe Conversion-Tracking.
Der letzte Punkt ist der wichtigste. Ein Werkzeug, das Sichtbarkeit misst, aber nicht Anfragen, beantwortet nicht die Frage, ob sich das Ganze rechnet.
Fazit
Für die meisten mittelständischen Websites sind Search Console, PageSpeed Insights und ein kostenloser Crawler ausreichend – und zwar länger, als angenehm ist zuzugeben.
Der berechtigte Kaufgrund für ein bezahltes Werkzeug lässt sich in einem Satz sagen: Du brauchst Daten über andere, nicht über dich. Alles über dich steht kostenlos in der Search Console, und zwar genauer als in jeder Hochrechnung.
Häufige Fragen
Erst, wenn du Daten über andere brauchst: Rankings und Backlinks von Wettbewerbern oder technische Crawls über tausende Seiten. Alles über die eigene Website steht kostenlos und genauer in der Search Console.
Eine Kennzahl einzelner Tool-Anbieter, keine Google-Größe. Sie fasst Rankings zu einem Punktwert zusammen und eignet sich für den Vergleich über die Zeit – nicht als absoluter Maßstab oder als Erfolgskennzahl gegenüber Kunden.
Search Console für Klicks, Impressionen und Indexierung, PageSpeed Insights für Ladezeiten, der Test für Rich-Suchergebnisse für strukturierte Daten, Google Trends für Saisonalität und ein kostenloser Crawler für technische Fehler.
Der Markt ist jung, die Anbieter wechseln, und die Methodik wird selten offengelegt. Vorerst genügt eine Tabelle mit 20 bis 30 Fragen, die monatlich von Hand in ChatGPT, Gemini und Perplexity gestellt und protokolliert werden.
Quellen
- Google Search Console-Hilfe: Leistungsbericht für die Suchergebnisse (abgerufen am 23.09.2026)
- Google Search Central: Do you need an SEO? (abgerufen am 23.09.2026)
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