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Überschriften schreiben: Was Google dazu sagt und was Leser brauchen

Google misst der Reihenfolge von Überschriften für das Ranking keine Bedeutung bei und nennt auch keine ideale Anzahl. Für Screenreader ist die semantische Ordnung dagegen wichtig. Die eigentliche Aufgabe von Überschriften ist damit weder technisch noch keywordbezogen: Sie sollen den Text so gliedern, dass allein aus ihnen hervorgeht, was drinsteht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Google: Überschriften in semantischer Reihenfolge sind hervorragend für Screenreader, für die Google-Suche macht eine abweichende Reihenfolge keinen Unterschied.
  • Google: Es gibt keine ideale Anzahl an Überschriften für eine Seite.
  • Die Reihenfolge trotzdem einhalten – nicht wegen Google, sondern wegen der Bedienbarkeit.
  • Aussagende Überschriften schlagen Themenetiketten: "Was der Vertrag mindestens enthalten muss" statt "Vertrag".

Über Überschriften kursieren im deutschsprachigen SEO mehr feste Regeln als über fast jedes andere Thema: genau eine H1, keine Ebene überspringen, das Keyword in jede H2. Googles eigene Anleitung ist an dieser Stelle deutlich entspannter.

Was Google tatsächlich sagt

Zur Reihenfolge: Überschriften in semantischer Ordnung seien hervorragend für Screenreader – aus Sicht der Google-Suche mache es jedoch keinen Unterschied, wenn sie nicht in der Reihenfolge verwendet werden.

Zur Anzahl: Es gebe auch keine magische, ideale Anzahl an Überschriften, die eine Seite haben sollte.

Zwei Sätze, die einen Großteil der verbreiteten Regeln als das ausweisen, was sie sind: gut gemeinte Konventionen ohne Grundlage in der Dokumentation.

Warum die Struktur trotzdem stimmen sollte

Der erste Satz enthält den eigentlichen Grund. Screenreader nutzen die Überschriftenebenen als Navigationsstruktur – Nutzer springen damit durch ein Dokument, so wie Sehende es überfliegen. Eine sprunghafte Gliederung macht diese Navigation unbrauchbar.

Die Regel gilt also weiter, nur mit anderer Begründung: nicht für Google, sondern für Menschen, die anders lesen. Das ist ein besseres Argument, weil es nicht davon abhängt, wie ein Algorithmus gerade arbeitet – mehr dazu in Barrierefreiheit.

Die eigentliche Aufgabe

Der Test ist einfach: Lies nur die Überschriften eines Artikels, von oben nach unten. Weißt du danach, was im Text steht?

Bei den meisten Texten lautet die Antwort nein – weil die Überschriften Etiketten sind statt Aussagen.

EtikettAussage
VorteileWas du davon hast, wenn du früher anfängst
VorgehenIn vier Schritten zum fertigen Briefing
KostenWomit du rechnen musst – und was die Spanne erklärt
FazitDie Entscheidung in einem Satz
Häufige FehlerDrei Fehler, die jeden Relaunch verzögern

Die rechte Spalte ist länger und in jeder Hinsicht besser: Sie funktioniert im Inhaltsverzeichnis, beim Überfliegen und als eigenständige Information. Jemand, der nur die Überschriften liest, nimmt etwas mit.

Fünf Regeln, die sich lohnen

  1. Eine Aussage statt eines Themas. Wenn die Überschrift ein Substantiv ohne Verb ist, geht meist mehr.
  2. Konkret statt allgemein. „Was 2.000 Euro abdecken“ statt „Budget“.
  3. Keine Rätsel. Eine Überschrift, die Neugier erzeugt, aber nichts verrät, funktioniert in einem Newsletter und nicht in einem Ratgeber. Wer etwas sucht, will wissen, ob er hier richtig ist.
  4. Keine Wiederholung der Hauptüberschrift. Wenn die erste H2 den Titel paraphrasiert, ist der Abschnitt meist überflüssig.
  5. Ein Abschnitt pro Überschrift. Zwei Absätze unter einer Überschrift sind in Ordnung, neun sind ein Hinweis auf eine fehlende Zwischenebene.

Wo Überschriften sonst noch auftauchen

Sie sind selten nur Überschriften. Bei den meisten Themes und Plugins speisen sie:

  • das Inhaltsverzeichnis
  • die Sprungmarken in der Adresse
  • die Vorschau beim Teilen in Messengern und Netzwerken
  • die Navigation für Screenreader

Eine Überschrift, die „Weitere Punkte“ heißt, erzeugt einen Inhaltsverzeichniseintrag „Weitere Punkte“ und einen Anker #weitere-punkte. Beides ist wertlos. Dieselbe Überlegung gilt für Linktexte – Google empfiehlt ausdrücklich, aussagekräftige Linktexte zu verwenden, damit Nutzer und Suchmaschinen vorab verstehen, was die verlinkte Seite enthält. „Hier klicken“ leistet das nicht.

Und der Title?

Der Title im Quelltext und die H1 auf der Seite sind zwei verschiedene Dinge mit zwei verschiedenen Aufgaben. Der Title muss jemanden im Suchergebnis zum Klicken bewegen und konkurriert dort mit neun anderen. Die H1 muss jemandem, der bereits geklickt hat, bestätigen, dass er richtig ist.

Sie dürfen deshalb unterschiedlich sein und sind es meist zu Recht – die Abwägung dazu steht in Meta-Title und Description.

Der Rest ist Struktur: Wie ein Text als Ganzes aufgebaut sein sollte, damit die Überschriften überhaupt etwas zu gliedern haben, steht in Textstruktur. Welcher Ton dabei angemessen ist, in Tonalität.

Häufige Fragen

Technisch ja, und für die Google-Suche ist es laut Dokumentation kein Problem. Praktisch spricht wenig dafür: Eine Seite hat in der Regel ein Thema, und eine einzige Hauptüberschrift macht das sowohl für Leser als auch für Screenreader eindeutig.

Nein, und es schadet der Lesbarkeit. Eine Überschrift soll sagen, was im folgenden Abschnitt steht. Wenn das Keyword dabei natürlich vorkommt, ist das in Ordnung; wenn es hineingezwungen wird, merkt man es sofort.

So lang, wie sie für eine klare Aussage braucht. Eine Überschrift aus acht Wörtern, die etwas sagt, ist besser als eine aus zwei, die nur ein Thema benennt. Die Grenze setzt die Lesbarkeit im Inhaltsverzeichnis, nicht eine Zeichenzahl.

Quellen

  1. Google Search Central: SEO Starter Guide (Überschriften, Linktexte) (abgerufen am 29.09.2026)
  2. W3C Web Accessibility Initiative: Page Structure – Headings (abgerufen am 29.09.2026)

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