Eine Prüfung sollte in zwei getrennten Durchgängen stattfinden: zuerst die Sachprüfung, bei der jede überprüfbare Aussage gegen ihre Quelle gehalten wird, danach die sprachliche Durchsicht. Wer beides gleichzeitig macht, übersieht regelmäßig genau das, was Google als leicht überprüfbare sachliche Fehler bezeichnet.
Lektorat in zwei Durchgängen: erst die Fakten, dann die Sprache
Das Wichtigste in Kürze
- Google fragt in seinem Fragenkatalog ausdrücklich, ob ein Inhalt leicht überprüfbare sachliche Fehler enthält.
- Sachprüfung und Sprachprüfung sind zwei Aufgaben – zusammen erledigt, fällt die erste aus.
- Zahlen, Namen, Daten, Gesetzesverweise und Links sind die fünf Stellen, an denen Fehler stehen.
- Die Prüfung durch eine zweite Person findet Fehler, die der Autor nicht mehr sehen kann – die eigene Fassung liest man gegen die Absicht, nicht gegen den Text.
Der verbreitete Ablauf: Der Text ist fertig, jemand liest ihn einmal durch, korrigiert Tippfehler und ein paar Formulierungen, fertig. Was dabei zuverlässig durchrutscht, sind die Fehler, die zählen – weil Aufmerksamkeit für Sprache und Aufmerksamkeit für Sachverhalte nicht gleichzeitig verfügbar sind.
Googles Fragenkatalog zur Selbstbewertung von Inhalten stellt diese Frage direkt: Enthält der Inhalt leicht überprüfbare sachliche Fehler? „Leicht überprüfbar“ ist dabei der entscheidende Teil – gemeint sind Fehler, die jeder Leser mit einer Suchanfrage findet.
Durchgang 1: die Sachprüfung
Eine Aufgabe, ein Durchgang: Jede überprüfbare Aussage wird gegen ihre Quelle gehalten. Nicht gegen die Erinnerung, nicht gegen den Eindruck – gegen die Quelle.
Die fünf Stellen, an denen Fehler stehen:
| Was | Worauf prüfen | Typischer Fehler |
|---|---|---|
| Zahlen | Steht der Wert so in der Quelle? Mit welcher Bezugsgröße? | Prozent und Prozentpunkte verwechselt; Zeitraum weggelassen |
| Namen und Funktionen | Schreibweise, aktuelle Position | Veraltete Funktionsbezeichnung |
| Daten und Fristen | Gilt das Datum noch? Ab wann, bis wann? | Ankündigungsdatum mit Inkrafttreten verwechselt |
| Gesetzes- und Normverweise | Paragraf, Fassung, Anwendungsbereich | Falscher Paragraf; Regelung gilt nur für Verbraucher |
| Links | Erreichbar? Steht die Aussage dort? | Link auf die Startseite statt auf die Fundstelle |
Die vierte Zeile ist die, bei der Fehler am teuersten sind, weil sie als Rechtsauskunft gelesen werden. Die fünfte ist die häufigste – und die, die in dreißig Sekunden pro Link geprüft ist. Die Systematik dazu steht in Quellen richtig angeben.
Eine Regel, die diesen Durchgang trägt: Wenn du nicht weißt, woher eine Zahl stammt, steht sie nicht im Text. Es gibt keine dritte Möglichkeit zwischen Belegen und Streichen.
Durchgang 2: die Sprache
Erst jetzt, und mit anderer Aufmerksamkeit. Die Punkte, die sich in jedem Text finden:
- Der erste Absatz. Steht dort die Antwort oder eine Hinführung? Hinführungen gehören gestrichen – siehe Textstruktur.
- Die Überschriften. Nur sie lesen: Weiß man danach, was im Text steht? Dazu Überschriften schreiben.
- Dopplungen. Derselbe Gedanke in zwei Abschnitten, meist weil der Text in Etappen entstanden ist.
- Füllsätze. Sätze, die man streichen kann, ohne dass Information verloren geht. In den meisten Texten jeder fünfte.
- Begriffskonsistenz. Nicht dreimal dasselbe mit drei Wörtern benennen, nur zur Abwechslung.
- Die Anrede. Durchgehend, ohne Wechsel.
- Floskeln. Die Liste ist bekannt und steht in Tonalität.
Was in diesem Durchgang nicht geprüft wird: die Länge als Zahl. Ein Text wird nicht durch Streichen auf eine Zielmarke besser, sondern durch Streichen von Stellen, die nichts sagen – dazu Textlänge.
Warum eine zweite Person mehr findet
Nicht wegen größerer Sorgfalt. Der Autor liest seinen Text gegen die Absicht – er weiß, was dort stehen sollte, und sieht es. Eine zweite Person liest gegen den Text.
Das betrifft besonders zwei Fehlerarten:
- Auslassungen. Ein Schritt, der im Kopf des Autors selbstverständlich ist und im Text fehlt.
- Unklare Bezüge. „Das gilt auch hier“ – wo der Autor weiß, was gemeint ist.
Wenn keine zweite Person verfügbar ist, hilft Abstand: einen Tag warten, dann laut vorlesen. Das Vorlesen findet verlässlich die Sätze, die beim stillen Lesen funktionieren und beim Sprechen auseinanderfallen.
Der Sonderfall maschinell erzeugter Entwürfe
Bei Texten, die aus einem Sprachmodell kommen, verschiebt sich die Gewichtung: Die Sprache ist meist in Ordnung, die Sachlage nicht. Die typischen Befunde sind erfundene Quellenangaben, plausible Zahlen ohne Grundlage und Rechtsstände, die überholt sind – alles in gutem Deutsch, was es schwerer macht, nicht leichter.
Für diese Texte gilt die Sachprüfung deshalb doppelt: Jede Zahl, jeder Name, jeder Link wird geprüft, auch wenn der Text überzeugend klingt. Die Muster dahinter stehen in falsche KI-Antworten.
Der Ablauf, der sich einrichten lässt
- Entwurf fertigstellen. Nicht nebenbei prüfen.
- Sachprüfung – mit offener Quellenliste, jede Aussage einmal.
- Fachprüfung, wo Fachwissen betroffen ist, durch die Person, die es hat – siehe Fachwissen einbinden.
- Sprachliche Durchsicht, am besten am nächsten Tag.
- Letzter Blick auf Links und Überschriften, unmittelbar vor der Veröffentlichung.
- Prüfdatum notieren. Damit später nachvollziehbar ist, worauf sich der Stand bezieht – die Grundlage für Inhalte aktualisieren.
Schritt sechs kostet zehn Sekunden und ist der, der ein Jahr später den Unterschied macht: Ein Text mit Prüfdatum lässt sich beurteilen, einer ohne nicht.
Häufige Fragen
Für die Sprache oft, für die Sachprüfung selten – ein externes Lektorat kennt den Gegenstand nicht und kann nicht beurteilen, ob eine Aussage im eigenen Fach zutrifft. Die Sachprüfung bleibt im Haus, dazu die Hinweise zum Einbinden von Fachwissen.
Die sprachliche Durchsicht in Teilen ja – Dopplungen, Satzlängen, inkonsistente Begriffe werden zuverlässig gefunden. Die Sachprüfung nicht: Ein Sprachmodell bestätigt eine falsche Zahl in gutem Deutsch. Der Durchgang, auf den es ankommt, bleibt menschlich.
Bei einem Fachartikel von 1.000 Wörtern etwa zwanzig Minuten für die Sachprüfung und zehn für die Sprache. Das ist weniger als die Zeit, die eine nachträgliche Korrektur und die Erklärung dafür kosten.
Quellen
- Google Search Central: Creating helpful, reliable, people-first content (abgerufen am 14.10.2026)
- Google Search Central: Google Search Essentials (abgerufen am 14.10.2026)
Lass uns dreißig Minuten über deine Sichtbarkeit sprechen
Kostenlos, unverbindlich, und mit einer ehrlichen Einschätzung - auch wenn die lautet, dass du mich gerade nicht brauchst.
Erstgespräch vereinbaren