Viele verbreitete SEO-Regeln sind überholt oder erfunden: Es gibt keine Abstrafung für Duplicate Content, keine Mindestwortzahl, keinen Zielwert für Keyword-Dichte und kein spezielles Schema für AI Overviews. Domain Authority ist eine Tool-Kennzahl, keine Google-Größe, und FAQ-Rich-Results wurden im Mai 2026 eingestellt.
Zwölf SEO-Mythen, die sich hartnäckig halten
Das Wichtigste in Kürze
- FAQ-Rich-Results erscheinen seit dem 7. Mai 2026 nicht mehr in der Google-Suche.
- Eine Abstrafung für Duplicate Content gibt es nicht – das Problem sind verteilte Signale.
- Google nennt weder eine Mindestwortzahl noch einen Zielwert für Keyword-Dichte.
- Der Prüftest: Gibt es eine Primärquelle, und von wann ist sie?
Warum sich SEO-Mythen so hartnäckig halten
SEO hat ein strukturelles Problem: Google veröffentlicht viel, aber nicht alles, und was fehlt, wird durch Vermutungen ersetzt. Diese Vermutungen werden zitiert, die Zitate werden zitiert, und irgendwann klingt eine Behauptung wie gesichertes Wissen.
Dazu kommt, dass einige dieser Regeln früher einmal stimmten. Sie sind nicht erfunden, sondern veraltet – und das macht sie schwerer zu widerlegen.
Die folgenden zwölf begegnen mir am häufigsten, jeweils mit dem, was tatsächlich gilt.
1. „FAQ-Schema bringt Sterne in den Suchergebnissen“
Überholt. Google hat die FAQ-Rich-Results eingestellt: Die Ankündigung erfolgte am 8. Mai 2025, seit dem 7. Mai 2026 werden sie nicht mehr ausgespielt, am 15. Juni 2026 wurde die Dokumentation entfernt.
Der sichtbare FAQ-Abschnitt bleibt nützlich – nur eben für Leser und KI-Systeme, nicht für erweiterte Suchergebnisse. Siehe Strukturierte Daten.
2. „Duplicate Content wird abgestraft“
Falsch. Eine Abstrafung für doppelte Inhalte gibt es nicht. Das tatsächliche Problem ist banaler: Google muss entscheiden, welche von mehreren gleichen URLs in den Index gehört, und die Signale verteilen sich statt sich zu bündeln. Siehe Canonical-Tag.
3. „Das Canonical-Tag ist eine Anweisung“
Falsch. Google behandelt rel="canonical" als starkes Signal, nicht als Befehl, und kann eine andere Version wählen. Welche gewählt wurde, steht in der URL-Prüfung der Search Console.
4. „Crawl-Budget ist für jede Website ein Thema“
Falsch. Google nennt konkrete Größenordnungen: relevant ab etwa einer Million Seiten mit wöchentlich wechselnden Inhalten, oder ab rund 10.000 Seiten bei sehr schnell wechselnden Inhalten. Für eine Unternehmenswebsite mit 40 bis 300 Seiten ist es kein Thema. Siehe Indexierung.
5. „Die Meta-Description beeinflusst das Ranking“
Falsch. Sie ist kein Ranking-Faktor. Sie beeinflusst die Klickrate – was wichtig ist, aber an anderer Stelle wirkt. Google erzeugt Snippets ohnehin vorrangig aus dem Seiteninhalt. Siehe Title und Meta-Description.
6. „Domain Authority ist eine Google-Kennzahl“
Falsch. Domain Authority, Domain Rating und Sichtbarkeitsindex sind Erfindungen einzelner Tool-Anbieter. Sie taugen zum Vergleich über die Zeit, nicht als absoluter Maßstab – und schon gar nicht als Abnahmekriterium gegenüber einem Dienstleister. Siehe SEO-Tools.
7. „Google straft KI-Texte ab“
Falsch, aber gefährlich missverstanden. Google bewertet nicht, wie ein Text entstanden ist, sondern wozu. Wer Automatisierung einsetzt, um Inhalte vorrangig zur Manipulation von Rankings zu produzieren, verstößt gegen die Spam-Richtlinien – unabhängig davon, ob ein Mensch oder ein Programm getippt hat. Siehe KI-Texte und Google.
8. „Für KI-Suchmaschinen braucht man eine llms.txt“
Falsch. Google hat im Juni 2026 erklärt, die Datei sei für die Suche nicht erforderlich und ohne Wirkung auf Rankings. Ahrefs hat in Server-Protokollen von 137.000 Domains gemessen, dass 97 Prozent dieser Dateien im Mai 2026 keinen einzigen Zugriff erhielten. Siehe llms.txt.
9. „Es gibt ein spezielles Schema für AI Overviews“
Falsch. Google schreibt ausdrücklich, dass es keine zusätzlichen Anforderungen gebe, um in AI Overviews oder im AI Mode zu erscheinen – keine neuen maschinenlesbaren Dateien, kein eigenes Markup, keine besondere schema.org-Auszeichnung. Siehe AI Overviews.
10. „Ein Artikel braucht mindestens 1.500 Wörter“
Erfunden. Google nennt keine Mindestlänge. Die Zahl stammt aus Korrelationsauswertungen, in denen längere Texte häufiger vorn standen – was vor allem daran liegt, dass umfassende Themen umfassendere Texte brauchen. 300 Wörter, die eine Frage abschließen, reichen; 2.000 Wörter Umschreibung landen unter „gecrawlt, zurzeit nicht indexiert“.
11. „Keyword-Dichte sollte bei X Prozent liegen“
Überholt. Es gibt keinen Zielwert. Die Vorstellung stammt aus einer Zeit, in der Suchmaschinen tatsächlich Wörter zählten. Heute geht es darum, ob eine Seite die Frage beantwortet, mit der jemand gesucht hat. Siehe Suchintention.
12. „Mehr Backlinks sind besser“
Irreführend. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern ob ein Link redaktionell und aus thematisch passendem Zusammenhang gesetzt wurde. Googles Spam-Richtlinien definieren Linkspam als das Erzeugen von Links, deren Hauptzweck die Manipulation von Rankings ist – ein Kriterium, das nach der Absicht fragt, nicht nach der Zahl. Siehe Backlinks.
Drei Sätze, bei denen du besonders aufmerksam werden solltest
| Aussage | Warum sie problematisch ist |
|---|---|
| „Platz 1 bei Google garantiert“ | Niemand kann das zusagen – Google sagt das selbst |
| „Wir sind Google-Partner“ (für organische Ergebnisse) | So etwas gibt es für die organische Suche nicht |
| „500 Backlinks inklusive“ | Beschreibt ziemlich genau, was die Spam-Richtlinien verbieten |
Woran du einen Mythos selbst erkennst
Ein Prüfmuster, das erstaunlich zuverlässig funktioniert:
- Gibt es eine Primärquelle? Google Search Central, die offizielle Dokumentation, ein Blogbeitrag von Google. Ein Agenturartikel, der einen anderen Agenturartikel zitiert, ist keine Quelle.
- Wie alt ist sie? Vieles stimmte einmal. Bei Aussagen ohne Datum ist Vorsicht angebracht.
- Wird eine Zahl genannt, die Google nie genannt hat? Prozentwerte für Keyword-Dichte, Mindestwortzahlen, optimale Title-Längen in Zeichen – das sind Erfahrungswerte, keine Vorgaben.
- Wer verdient daran, dass du es glaubst? Kennzahlen, die nur ein Werkzeug ausweisen kann, sind selten neutral.
Fazit
Die meisten SEO-Mythen sind keine Lügen, sondern abgelaufene Wahrheiten – und einige davon werden weiterverkauft, weil sie sich gut in ein Angebot schreiben lassen.
Der verlässlichste Schutz ist unspektakulär: Bei jeder Regel, nach der jemand arbeiten soll, nach der Primärquelle und ihrem Datum fragen. Wenn beides fehlt, ist es eine Meinung – was in Ordnung sein kann, nur eben etwas anderes ist.
Der hartnäckigste Mythos von allen hat einen eigenen Artikel verdient: Eine Strafe für doppelte Inhalte kennt Googles Dokumentation nicht – was stattdessen passiert, steht unter Duplicate Content.
Häufige Fragen
Nein. Eine Abstrafung für Duplicate Content existiert nicht. Google muss lediglich entscheiden, welche von mehreren gleichen URLs in den Index gehört – dabei verteilen sich die Signale, statt sich auf einer Adresse zu bündeln.
Google nennt keine Mindestlänge. Die verbreitete Zahl von 1.500 Wörtern stammt aus Korrelationsauswertungen und verwechselt Ursache mit Wirkung: Umfassende Themen brauchen umfassendere Texte, nicht umgekehrt.
Nein. Domain Authority, Domain Rating und Sichtbarkeitsindex sind Kennzahlen einzelner Tool-Anbieter. Sie eignen sich für den Vergleich über die Zeit, nicht als absoluter Maßstab und nicht als Abnahmekriterium gegenüber einem Dienstleister.
Frage nach der Primärquelle und ihrem Datum. Google Search Central oder die offizielle Dokumentation zählen, ein Agenturartikel, der einen anderen zitiert, nicht. Besonders skeptisch machen sollten Zahlen, die Google nie genannt hat.
Quellen
- Google Search Central: FAQ (FAQPage) structured data – Änderungsprotokoll (abgerufen am 23.09.2026)
- Google Search Central: Spam policies for Google web search (abgerufen am 23.09.2026)
- Google Search Central: Top ways to ensure your content performs well in Google's AI experiences (abgerufen am 23.09.2026)
- Google Search Central: Large site owner’s guide to managing your crawl budget (abgerufen am 23.09.2026)
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